Monday, Oct 26th, 2009 ↓

Anne Tyler, Mrs. Emersons Hausmeisterin

Am Anfang

Das Haus erfüllte keinen Zweck mehr.

Am Ende

Als sie in die Hauptstraße einbogen, war sie bereits mit dem Kopf in seinem Schoß eingeschlafen.

Francoise Mallet-Joris, Die Wachsbildnerin

Am Anfang

Ich war dreizehn Jahre alt, klein, rundlich, hatte eine Stupsnase, die nicht sonderlich edel wirkte, im ganzen Gesicht Sommersprossen und Grübchen, als eines Abends mein Vater, der Doktor Lesueur, nach dem Essen, in einem der nicht gerade häufigen Momente, in denen ich die Ehre hatte, ihn zu sehen, mich vor sich hinstellte, betrachtete und versonnen, wie im Selbstgespräch murmelte: “Sie ist weiß Gott häßlich, ja gewöhnlich; kein Mensch wird sie heiraten ohne Mitgift. Und heutzutage verlangen sogar die Klöster Unmengen … an Kostgeld.”

Am Ende

Es ist fünf Uhr, ich höre den Chevalier die Treppe heraufkommen.

Amulya Malladi, 100 Arten ein Mango zu essen

Prolog

Bring dich nicht gleich um, wenn dich jemand schwängert.

Am Anfang

Der Mangoduft war überwältigend - er kam von frischen, überreifen und auch verdorbenen Früchten.

Am Ende

Ich liebe dich und vermisse dich, also komm bald wieder nach Hause. Nick

Epilog

Der Typ in der Poststelle versicherte mir, der Brief müsse in fünf bis sieben Tagen da sein.

Kate Mosse, Das verlorene Labyrinth

Prolog

Ein dünner Blutfaden läuft die blasse Innenseite ihres Armes wie ein roter Saum auf einem weißen Ärmel hinunter.

Am Anfang

Alais erwachte mit einem Ruck, setzte sich hastig auf, die Augen weit geöffnet.

Am Ende

Alice kämpfte gegen die Tränen an, während sie ihn in den Armen hielt und spürte, wie seine Atmung immer schwächer und leiser wurde, schließlich erstarb.

Epilog

In der Ferne stieg ein weißer Mond am gesprenkelten Himmel auf und verspricht für morgen wieder einen schönen Tag.

Tuesday, Oct 20th, 2009 ↓

Nora Roberts, Nachtflamme

Prolog

An einem hellen Sommermorgen ertrank ein Zwergpudel im Garten der Bestlers im Swimmingpool.

Am Anfang

Fox erinnerte sich an viele Details dieses längst vergangenen Jahres im Juni.

Am Ende

Der Rest war eine Kleinigkeit.

Monday, Oct 19th, 2009 ↓

Nora Roberts, Abendstern

[Ein sieben Jahre alter Fluch, drei Freunde, eine große Liebe …

Seit Caleb Hawkins, zusammen mit seinen Freunden Fox O´Dell und Gage Turner als damals Zehnjährige eine Mutprobe am Pagan Stone machte, geschehen in dem kleinen Städtchen Hawkins Hollow in Maryland alle sieben Jahre unerklärliche Dinge.

Mit jedem Mal wird es schlimmer und daher beschließt Caleb, dem Alptraum Einhalt zu gebieten. Aber er braucht Hilfe: seine zwei Freunde. Und die Kraft der Frau, die er liebt: die Journalistin Quinn Black …]

Nora Roberts tritt in die Fußstapfen von Stephen King?

Drei kleine Jungs in einer idyllischen Kleinstadt, eine Mutprobe, die einen uralten Dämon hervorruft, gegen den sie sich im Laufe der Jahre mittels Zusammenhalt, Freundschaft und Liebe verteidigen müssen. Und weil die romantische Liebe nicht fehlen darf, bekommen sie drei Damen an die Seite gestellt, die wie - das Schicksal so spielt - in die gleiche dreihundert Jahre zurückliegende Geschichte involviert sind wie die drei Jungs.

Im Großen und Ganzen eine nette Geschichte, auch wenn das Stephen King-Imitat nicht wirklich gelingt. Hier fehlt die Tiefe, der Roman und auch die Charaktere wirken oberflächlich, was wohl auch daran liegt, dass das Ganze sehr dialoglastig ist. Manchmal verliert man tatsächlich den Überblick, wer gerade spricht.

Immerhin ist “Abendstern” unterhaltsam, kurzweilig und auch leidlich spannend, vorwiegend allerdings unkompliziert und schnell gelesen.

Nora Roberts, Abendstern

Prolog

Es kroch durch die Luft, die schwer wie nasse Wolle über der Lichtung hing.

Am Anfang

In der hübschen Küche des hübschen Hauses in der Pleasant Avenue bemühte sich Caleb Hawkins, ruhig zu bleiben, während seine Mutter ihm Proviant für eine Campingtour einpackte.

Am Ende

Der Heidenstein stand stumm und wartete auf ihre Rückkehr.

Thursday, Sep 24th, 2009 ↓

Kate Mosse, Das verlorene Labyrinth

[Bei Ausgrabungen in einer Höhle des Languedoc entdeckt Alice Tanner zwei Skelette und eine labyrinthische Wandmalerei. Der Hauch des Bösen, den sie an dieser Stätte spürt, weckt dunkle Vorahnungen in ihr. Als sich die Polizei einschaltet, verstärkt sich Alices Gefühl, dass an dem rätselhaften Ort etwas geschehen ist, das im Verborgenen hätte bleiben sollen. Etwas, das weit in die Vergangenheit zurückreicht

… Achthundert Jahre zuvor erhält die junge Alaïs am selben Ort ein Buch mit fremdartigen Zeichen, deren schicksalhafte Bedeutung sie kennt. Sie weiß, dass sie das Geheimnis des Buches hüten muss - um jeden Preis. Verlust, Intrige, Gewalt und Leidenschaft prägen fortan das Leben beider Frauen. Und immer wieder werden ihrer beider Schicksale durch das Labyrinth auf geheimnisvolle Weise miteinander verknüpft …]

Soweit die Beschreibung, die sich recht vielversprechend liest. Leider erfüllt sich das Versprechen einer “spannenden mythischen Geschichte aus Frauensicht” überhaupt nicht. Trotz einer einfachen Sprache zieht sich die Story über fast 800 Seiten lang hin und vielmehr als gähnende Langeweile bleibt als Eindruck nicht zurück.

Man findet sich schon nach wenigen Kapiteln in einem Wirrwarr aus Gralsmythologie, Krimi, historischem Roman, das sich nicht entscheiden kann, zu was es sich entwickeln soll. Was bei Dan Brown wunderbar funktioniert - mag man ihn oder nicht, aber er versteht sich auf Spannungsaufbau - wirkt hier ein wenig planlos zusammengeschustert und lässt einen schlussendlich ratlos mit dem Ende des Romans zurück.

Die Charaktere bleiben flach - viele Situationen wirken unmotiviert und undurchdacht, z.B. das Auftauchen einer langverflossenen Partybekanntschaft von Alice, die sich als “neue Verkörperung” des treulosen und dann doch wieder treuen Ehemannes von Alaïs entpuppt. Das Rätsel um das Labyrinth wird am Ende des Buches zwar kurz und schnell “herunter erzählt”, was das Ganze nun allerdings soll und was es mit dem Gral auf sich hat, erfährt man nicht. Es bleibt vielmehr das Gefühl, die Autorin habe sich nach 700 Seiten entschieden jetzt schnellstmöglich zum Ende zu kommen.

Dazu kommt noch ein persönliches Ärgernis: Fast noch weniger als eine “Dramatis Personae”-Liste und Namedropping kann ich zahllose fremdsprachliche Einsprengsel leiden, die dazu dienen sollen, “Atmosphäre” zu schaffen. Die (absolut unnötigen) Phrasen werden dann entweder in einem 20-seitigen Glossar oder in Fußnoten erklärt oder gleich im - wie bei Kate Mosse - im nächsten Satz noch einmal in Übersetzung geschrieben. Auch so lassen sich Seiten füllen! Da besänftigt mich die Erklärung am Ende des Buches, sie habe mit dieser Phrasendrescherei die Diskrepanz zwischen dem Okzitanischen und dem Französischen zum Tragen bringen wollen, auch nicht. Die Einsprengsel sind und bleiben überflüssig.

Ein paar lustige Sprachpatzer wie “huschende Zähne”, “schreiende Fledermäuse” und Frauen, die sich ihre Augenbrauen mit Kajalstift umrahmen (??) tragen zum Ärger bei - nun gut, man kann nicht alles haben.

Aber: ich habe doch auch noch etwas Positives gefunden :) Ich muss ich der Autorin zu Gute halten, dass sie sich auf sehr stimmungsvolle Landschaftsbeschreibungen versteht, aus denen man deutlich ihre Liebe zu der Gegend herauslesen kann.

Zumindest ist es Kate Mosse gelungen, mich auf Carcassone und die Umgebung und auch auf die Geschichte des Languedoc neugierig zu machen.


Thursday, Sep 3rd, 2009 ↓

Britische Journalistin cancelt Festivalauftritt wegen Rauchverbot

Die britische Journalistin und Autorin Lynn Barber hat ihren Auftritt bei einem Literaturfestival im Londoner Stadtteil Richmond abgesagt, weil der zuständige Stadtrat im Festivalprogramm ein Porträtbild, das sie beim Rauchen zeigt, nicht veröffentlichen wollte.

Der Stadtrat von Richmond ist darum bemüht, “ein vernünftiges Gesundheitsbewusstsein zu fördern” und dieses Bild in einer Werbebroschüre zu veröffentlichen wäre kontraproduktiv. Autorin Barber wurde darum gebeten, ein alternatives Porträt einzureichen, doch sie weigerte sich und sagte sofort ihren Auftritt beim jährlichen “Book Now Festival” im November ab.

Die in Großbritannien sehr bekannte Journalistin, die auch schon einige Bücher veröffentlicht hat, sollte auf dem “Book Now” ihre Memoiren “An Education” vorstellen. In ihrer Absage-Mail an die Organisatoren des Festivals schrieb sie laut der britischen Tageszeitung “Daily Telegraph”: “Ich wollte immer schon ein Rauch-Märtyrer sein und offensichtlich ist das die passende Gelegenheit dazu.”

Später witzelte sie: “Wenn schon ein Bild, das mich beim Rauchen zeigt, die guten Bürger von Richmond derart bedroht, was hätte da meine Gegenwart angerichtet?” In einem Interview mit dem “Daily Telegraph” bekennt Lynn Barber fröhlich: “Ich bin 65 und ich rauche und trinke wie ein Fisch.”

Die Schwarz-Weiß-Fotografie wurde von Barbers Verleger Penguin zur Verfügung gestellt und wurde bislang unbeanstandet verwendet. Publicity Director Amelia Fairney bezeichnet die Entscheidung des Stadtrats als absurd und weist noch einmal darauf hin, dass das Foto noch nie jemanden gestört habe, auch die Organisatoren des Festivals hätten nichts zu beanstanden gehabt.

Mit spitzer Feder wandte sich Amelia Fairney dennoch an die Organisatoren: “Ich hoffe, die fertige Broschüre enthält keine Bilder von dicken Menschen (um Fettsucht zu propagieren), oder dünnen Menschen (um Essstörungen zu propagieren), weißen Menschen (um den kulturellen Imperialismus propagieren), schwarzen Menschen (Alibipolitik), geschminkten Frauen (um eine ungesunde Leidenschaft für idealisierte weibliche Schönheit zu propagieren) oder Kinderbuchautoren, die nicht vom Criminal Records Bureau (einer Einrichtung, die Personen überprüft, die mit Kindern arbeiten, Anm. der Red.) geprüft worden sind.”

Festival-Programmplaner Nathan Hamilton findet die behördliche Regelung übertrieben und vertritt die Ansicht, dass es kein Literaturfestival mehr geben würde, wenn jeder Autor, der raucht und trinkt seinen Auftritt absagen würde.

Die Romanautoren Martin Amis, Fay Weldon und A. S. Byatt stehen ebenfalls im Programm von “Book Now”. In der Broschüre wurde vom Stadtrat ein Foto von Martin Amis gestattet, der ein Feuerzeug in der Hand hält - vermutlich geht nach Ansicht der Behörde davon keine so große Gefahr aus.

Quelle: Rauchen-Bayern.de

Wednesday, Aug 26th, 2009 ↓

Muriel Barbery, Die Eleganz des Igels

Am Anfang

“Marx verändert mein Weltbild total”, erklärte mir heute morgen der kleine Pallières, der mich sonst nie anspricht.

Am Ende

Denn für Sie werde ich künftig das Immer im Nie verfolgen. Die Schönheit in dieser Welt.