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Lucinda Riley, Das Orchideenhaus

[Nach einem schweren Schicksalsschlag kehrt Julia Forrester in ihre alte Heimat Norfolk zurück, wo sie im Orchideenhaus von Wharton Park als Kind viele glückliche Stunden verbrachte.

Der Besitzer von Wharton Park, Kit Crawford, überreicht ihr ein altes Tagebuch, das bei den Renovierungsarbeiten gefunden wurde und womöglich Julias Großmutter gehörte. Mit dem Tagebuch drängt sich ein jahrelang gehütetes Familiengeheimnis ans Licht - ein Geheimnis, das auch Julias Leben komplett verändern wird ….]

Die Kollegin hat den Roman mitgebracht und als “Urlaubsbuch” bzw. “Strandbuch angepriesen und ich habe mich daran versucht, weil ich mal eine kleine Pause vom “Song of Ice and Fire”-Universum gebraucht habe.

War allerdings eine blöde Idee: Das Orchideenhaus ist eine fürchterlich holprig erzählte (übersetzte?) Familienstory ohne Tiefgang, die kein Klischee auslässt und den armen Leser mit unglaubwürdigen Anhäufungen von dramatischen Ereignissen überschüttet.

Besonders interessant: das in England adoptierte Kind aus Thailand, von dem keiner merkt, dass es aus einem anderen Land kommt - das Mädchen wundert sich selbst auch nicht, dass es vielleicht ein wenig anders aussieht als der durchschnittliche Westeuropäer und hat angeblich bis zu seinem Tod nie erfahren, dass es adoptiert ist.

Auch das im Klappentext erwähnte Tagebuch spielt für den Roman nicht wirklich eine Rolle und die Dienstboten, die uns die ganze Historie schildern, sind erstaunlich allwissend und waren scheinbar sogar beim Erwachen jeglicher “Triebe” (O-Ton) dabei.

Und da am Ende alle Fäden zusammengeführt und alle Probleme aufgelöst werden müssen gibt uns die Autorin ein grandioses Finale an Dramatik und Kitsch das seinesgleichen sucht.

Ein Vorteil: der Roman ließ sich sehr schnell durchlesen :) Aber im Urlaub hätte ich dann doch lieber etwas anderes.

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Kate Mosse, Wintergeister

[1928. Nach einer Autopanne landet Frederick Watson mitten im Winter im südfranzösischen (fiktiven) Städtchen Nulle.

Der junge Mann, der seit dem Tod seines Bruders im 1. Weltkrieg stark traumatisiert ist, besucht noch am Abend seiner Ankunft ein Stadtfest und lernt dort die geheimnisvolle Fabrissa kennen. Zwar kennen sie sich kaum, doch übt Fabrissa einen so starken Einfluss auf Freddy aus, dass er sich erstmals über seinen Kummer und seine Trauer aussprechen kann.

Die Auseinandersetzung mit der eigenen Vergangenheit führt dazu, dass er der jungen Frau ebenfalls bei ihrer “Vergangenheitsbewältigung” helfen kann, obwohl Fabrissas Schicksal weit ins Mittelalter zurückreicht.]

In allen ihren bisher erschienenen Büchern beschäftigt sich die britische Autorin Kate Mosse mit der untergegangen Kultur der Katharer, die bis zum 15. Jahrhundert in Südfrankreich rund um die alte Stadt Carcassonne lebten.

Auch in “Wintergeister” nimmt sie sich dieses Themas an und verspinnt Fabrissas tragisches Schicksal, das in die Zeit der Verfolgung der Katharer zurückreicht und Fredericks durch den ersten Weltkrieg ausgelöstes Trauma, in eine leise poetische, nahezu klassische, Geistergeschichte. Die Grenzen zwischen Realität und Geisterwelt sind dabei nur hauchdünn und hinterlassen beim Leser keinen Horror oder Angst, sondern den kleinen traurigen Schauder des Unheimlichen.

Ursprünglich eine Short Story, die zu einem kleinen Roman ausgearbeitet wurde, weist “Wintergeister” zwar einige Längen auf, ist aber nichtsdestotrotz ein einfühlsames und gut geschriebenes Werk über Trauer und Verlust, über Liebe und Tod in der wildromantischen geschichtsträchtigen Kulisse des winterlichen Languedoc.

Nicht nur Lektüre für kalte Winter- oder Herbstabende, wobei ein solches Wetter der Atmosphäre des Buches sicher zuträglich ist :).

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Mo Hayder, Haut

[Als die Leiche einer als vermisst gemeldeten Frau in der Nähe von Bristol gefunden wird, deutet alles auf einen Selbstmord hin. Doch es gibt ein paar Auffälligkeiten, die Detective Inspector Caffery misstrauisch werden lassen. Und tatsächlich bleibt es nicht bei einer Toten.

Während Caffery zusammen mit der Polizeitaucherin Flea Marley versucht, die Hintergründe der mysteriösen Selbstmorde zu erforschen, lässt ihn auch ein zweites Rätsel nicht los: die Suche nach einem Wesen, das man in Afrika Tokoloshe nennt, dem man Zauberkräfte zuspricht und das selbst Caffery Angst einjagt. Und es scheint ihn zu verfolgen. Aber nicht nur er ist in einem Alptraum gefangen. Auch Flea gerät in einen unheilvollen Strudel von Ereignissen, als sie im Kofferraum ihres Wagens eine Tote entdeckt – eine Frau, nach der die Polizei von Bristol fieberhaft sucht …]

Der Klappentext klingt eigentlich recht vielversprechend - mir haben auch Mo Hayders frühe Romane mit und um Jack Caffery gefallen, vor allem “Der Vogelmann”, der zwar auch mit einer recht abstrusen Geschichte daherkam, aber trotzdem spannend und vor allem gut geschrieben war. Noch dazu spielt “Haut” in Bristol, eine Stadt, in der ich eine Zeit lang wohnen durfte und ich mag es ganz gern, wenn man durch einen Roman oder eine Geschichte an bekannte Orte geführt wird.

“Haut” ist der 4. Roman, in dem Jack Caffery als Hauptfigur auftritt - mittlerweile geht er einem allerdings richtig auf die Nerven - und scheinbar habe ich hier einen Fehler gemacht: Ich habe “Ritualmord” (den 3. Teil) nicht gelesen und auf dieses Buch baut “Haut” angeblich unmittelbar auf. Nun blieben mir viele Dinge völlig undurchsichtig, vor allem die unerklärten Bezüge zu der Geschichte in “Ritualmord”. Vielleicht wäre es sinnvoll gewesen, wenn die Autorin hier ein wenig Hilfestellung gegeben hätte. Sei es ein dem Ganzen vorgeschaltetes Info-Kapitel (“Was vor ein paar Tagen geschah”) oder mehr Hintergrundinfos, in die Geschichte mit eingebaut.

Es gibt aber noch mehr Mängel als fehlende Hintergrundinfos. So bleibt zum Beispiel völlig unklar, welche Motivation den Morden zu Grunde liegt. Natürlich muss man nicht in jedem Psychothriller eine Psychostudie des Täters abliefern, Mo Hayder fängt aber im ersten Kapitel genau so an. Im Verlauf der Geschichte verwässern die Morde und die detailliert beschriebenen Arbeiten der Gerichtsmedizin zu einer Kulisse für die sozialen Probleme der beiden Hauptcharaktere Jack Caffery und Flea Marley, die beide nicht gerade durch ihre fachliche Kompetenz als Polizisten glänzen. Dummerweise eignen sich auch beide nicht als sympathische Anti-Helden und so bleibt ein schaler Geschmack zurück, wenn die beiden sich eigentlich ähnlich kriminell verhalten wie die gejagten Verbrecher.

Trotz der unausgereiften Handlung sei zur Ehrenrettung des Romans gesagt, dass Mo Hayder eine gute Erzählerin ist. Dank ihres gut lesbaren und dennoch nicht banalen Schreibstils gerät die Geschichte nicht völlig aus den Fugen und die spannenden Momente, die es in diesem Buch durchaus gibt, lassen manchmal hoffen, das Ganze könnte doch noch den richtigen Drift bekommen. Unglücklicherweise passiert das nie - aber zwei Sternchen bei LovelyBooks ist “Haut” dann doch noch wert.

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Die Toten hinterlassen ihre Schatten, einen Nachhall des Raumes, den sie einst bewohnten. Sie suchen uns heim, werden nie schwächer oder älter wie wir. Wir betrauern nicht nur den Verlust ihrer Zukunft, sondern auch den der unseren.
Kate Mosse, Wintergeister

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Barbara Noack, Ein Stück vom Leben

Am Anfang

In tragischen Momenten erinnerte Ludmillas langer, schmaler mittelgescheitelter Kopf an die Dichterin Annette von Droste-Hülshoff.

Am Ende

“Macht nichts”, beruhigte ich sie, “das passiert mir auch ab und zu, wenn ich hierher zurückkomme.”
“Dir schon, aber mir -?”

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Barbara Noack, Eine Handvoll Glück

Am Anfang

Jeden Morgen, wenn ich darauf warte, daß der Toast nach Toast zu riechen beginnt und das Wasser für den Tee kocht, schaue ich aus dem Küchenfenster auf die Endvierziger in leuchtend bunten Trimmdichanzügen, die am Haus vorüberjoggen.

Am Ende

Ehe sie die Waschküche verlassen, wendet sich meine Mutter an den verschüchterten Schnippchenspieler: “Sie können doch russisch, Herr Kaunap. Was heißt ‘Guten Morgen’?”

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Nicholas Sparks, Wie ein einziger Tag

Am Anfang

Wer bin ich? Und wie, so frage ich mich, wird diese Geschichte enden?

Am Ende

Ein weiteres Wunder - das größte von allen -, und ich kann meine Tränen nicht zurückhalten, als ich spüre, wie ihre Finger nach den Knöpfen meines Hemdes tasten und sie langsam, ganz langsam, einen nach dem anderen zu öffnen beginnen.

Notes

William Gay, Nächtliche Vorkommnisse

Vom Lärm eisenbeschlagener Räder untermalt, die sich auf dem Kieselschelf drehten, kam der Wagen aus der Sonne, deren loderndes Malefizlicht das abgenutzte Silbergrau mit feurigem Orange übermalte; der Fahrer gab der Abkürzung den steilen Hang hinab den Vorzug vor der Straße, saß aufrecht, zerrte an den Zügeln, zog die Bremse mit einer Hand, bis die Räder blockierten und rutschten, und ließ sie dann wieder los, sodass Wagen und Fracht und Mann sich unter einer ständig variierenden Kakofonie von Kreischen und Klirren und Quietschen vorwärtsbewegten.

Am Anfang

Sie kamen durch das Zypressenwäldchen, das den Friedhof wie ein Leichentuch einhüllte, und verbargen den Pick-up abseits der Straße in einer Kieselschiefergrube mit pechschwarzen Geißblattpflanzen.

Am Ende

Er öffnete die Tür und stieg ein.